Muswiese 2009 - eine feuchte Angelegenheit
Feuchtfröhlich startete die diesjährige Muswiese im wahrsten Sinne des Wortes – nämlich mit Dauerregen am Samstag Mittag. Ein Blick zum Himmel verhieß nichts Gutes und den ganzen Tag über regnete es immer wieder kräftig - der von den Landwirten lang ersehnte Regen konnte aber viele Besucher nicht von einem Rundgang über den Festplatz abschrecken.
Auch das Teilnehmerfeld beim diesjährigen Muswiesenlauf war wieder gut aufgestellt. Insgesamt haben sich 285 Teilnehmer auf den Distanzen 10.000m, 6.000m und 6.000m Nordic Walking miteinander gemessen. Beginnen durften die ganz Kleinen – mit dem Bambinilauf über 1.000m und dem Jugendlauf über 3.400m.
Auf wie viele Kilometer Laufstrecke es die Mannschaft des TV Rot am See beim diesjährigen Fußball-Derby gegen die SpVgg Hengstfeld-Wallhausen gebracht hat, konnte nicht ermittelt werden, aber für einen Sieg wie im vergangenen Jahr hat es dieses Mal leider nicht gereicht, man trennte sich mit einem 0:1.
7 kräftige Schläge brauchte es, bis Bürgermeister Gröner am Samstagabend mit dem Fassanstich in der Festhalle Hahn das Fest eröffnen konnte. Der Auftakt für das Fest der Feste wurde endete in den zahlreichen Muswiesen-Wirtschaften erst spät in der Nacht.
Für diejenigen, die am vorangegangenen Tag nicht so ausgiebig gefeiert hatten, startete der Sonntag besinnlich mit einem Festgottesdienst in der Musdorfer Michaelskirche, der von Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger gestaltet wurde.
Unter musikalischer Begleitung des Musikvereins Rot am See und noch trockenen Fusses zogen die Ehrengäste anschließend im Gewerbezelt ein.
Bereits zum 8. Mal in seiner Amtszeit hat Bürgermeister Gröner die wohl schönste Aufgabe eines „Rouder“ Bürgermeisters übernommen – die offizielle Eröffnung der Muswiese mit der Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung.
Er betonte, dass die Muswiese einfach ein Fest ist, bei dem niemand fehlen darf – wenn man nicht hier gewesen ist, dann hat man etwas versäumt.
Bereits zum 575. Mal öffnete die Muswiese im Jahr 2009 ihre Pforten. Seit dem Jahr 1434 hat die Muswiese alle Krisen und Schwierigkeiten überstanden und wird auch alle künftigen Turbulenzen sicherlich überstehen. Das liegt nach Ansicht des Bürgermeisters daran, dass die Muswiese keine normale Veranstaltung ist, die irgendwelchen Einflüssen unterliegt, sondern eher schon als Institution und fester Bestandteil von Musdorf und Rot am See gelten kann. Sie ist seit jeher das Fest für Alle – für Groß und Klein, für Alt und Jung, für Einheimische und Auswärtige.
Bürgermeister Gröner lud die Anwesenden dazu ein, die Faszination der Muswiese mitzuerleben – ob beim Bummel durch die Marktstände, bei einer kurzen Rast in einer der vielen Muswiesen-Wirtschaften, bei einer rasanten Karussellfahrt oder beim Besuch der sehr anspruchsvollen und auf hohem Niveau stehenden Gewerbe- und landwirtschaftlichen Ausstellungen. Die Muswiese ist für jeden etwas und sie bietet für jeden etwas.
In diesem Jahr konnte auch ein ganz besonderer Leckerbissen präsentiert werden, denn die Hochseilartistenfamilie Traber, die erstmals im Jahr 1949 auf der Muswiese aufgetreten ist, zeigte – bei entsprechender Witterung – zweimal täglich ihre spektakuläre und einmalige Motorradshow.
Eine weitere Besonderheit war das 50-jährige Jubiläum der Jungviehprämierung. In diesem Zusammenhang sprach Bürgermeister Gröner den Rinderzüchtern ein großes Dankeschön aus. Die Züchter halten diese Tradition nun seit 50 Jahren aufrecht und präsentieren ihre Jungtiere immer am Muswiesendienstag.
Als Anerkennung wurde der diesjährige Gemeindestand von Künstler Kowalik in bewährter und hervorragender Weise gestaltet. Die Kuh „Rafaela“ zog alle Blicke auf sich – und kann aufgrund ihrer beeindruckenden Maße von 4,5m Höhe und 7m Breite wahrlich nicht übersehen werden. Obwohl man bei einer Dame eigentlich nicht danach fragt, war das Gewicht der Superkuh Gegenstand des gemeindlichen Schätzspiels.
Damit ein Fest wie die Muswiese überhaupt durchgeführt werden kann, sind zahlreiche Helfer erforderlich. In diesem Zusammenhang bedankte er sich bei den Hauptorganisatoren Frau Meinikheim und natürlich Marktmeister Kurr. Auch die Bauhofmitarbeiter verdienten in diesem Jahr wieder einen besonderen Dank für ihren unermüdlichen Einsatz auch im Kampf gegen den Dauerregen.
Musikalisch wurde die Eröffnung durch Kurt Klawitter umrahmt, der alle Anwesenden zum Schmunzeln brachte – Nichthohenloher wurden durch fragende Gesichter angesichts der Mundartlieder sofort enttarnt.
Anschließend konnten sich die Gäste dann selbst einen Muswiesentaler pressen – und so eine eigene kleine „Rafaela“ als Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Eine weitere Attraktion stellte am Sonntag der Luftballonwettbewerb dar. 632 Ballons wurden auf den Weg geschickt – dieses Jahr hatten die Gäste sogar bis 18 Uhr Gelegenheit, einen Ballon starten zu lassen – und alle hoffen natürlich auch bei nicht gerade optimalem Wetter auf einen möglichst weiten Flug des eigenen Ballons.
Die Muswiese ist ein Fest, deren Charme auch zeitweiser Regen keinen Abbruch tut – auch Radiomoderator Wolfgang Köhler, der schon seit vielen Jahren für SWR 4 live von der Muswiese berichtet, kommt immer wieder gerne vorbei. Vielleicht zählen ja einige der diesjährigen Zuhörer zu den Besuchern im kommenden Jahr.
Wenn es die Muswiese nicht schon gäbe, müsste man sie wirklich erfinden – ein Fest für alle Generationen und alle Bevölkerungsgruppen. Man lernt viele nette Leute kennen und rückt in den Muswiesenwirtschaften auch in Zeiten der Schweinegrippe schon mal enger zusammen. Wo sonst kann man über den richtigen Sockenstand fachsimpeln oder hat so eine große Auswahl an Alltagsgegenständen, die man unterm Jahr vergeblich in den Läden sucht?
Kaum einer geht ohne eine Errungenschaft nach Hause und sei es nur eine Waffeltüte…